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Herr J. G. , geboren 1941; verheiratet, erwachsene Tochter mit eigenem Haushalt
Rechtsanwalt, derzeit Rente und Hausmeisterei
Auswertung 6 Jahre nach dem Ereignis und 2 Jahre nach Entlassung bei Mutabor.
Ereignis: Operationen eines Ganglioms am rechten Seitenventrikel Sommer 1994
Aufnahme bei Mutabor: Frühjahr 1995
Entlassung bei Mutabor: Sommer 1998
Symptome/Situation bei der Aufnahme
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Die körperlichen Symptome hatten sich weitgehend zurückgebildet.
Geblieben sind: Schwerste Beeinträchtigungen der kurz- und mittelfristigen
Gedächtnisleistungen, schwere Einschränkungen bei der
Handlungsplanung und im prospektiven Denken sowie bei der alltagspraktischen
Problemlösung und in der zeitlichen und situativen Orientierung, schwere
Antriebsminderung, Depressionen.
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Versorgung durch die Ehefrau,
die zusätzlich die schon bisher geleistete Aushilfsarbeit als
Verkäuferin in einer Boutique in einen Halbtagsjob umwandelte und alle
notwendigen Verhandlungen mit Ämtern, Wohnungsgesellschaften, Banken usw.
übernahm, die vorher ausschließliche Domäne des Ehemanns waren.
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Ziel des Patienten und seiner Ehefrau:
Rückkehr in den Beruf des Anwalts. Dahinter standen auch finanzielle
Gründe. Es gibt keine ausreichende Altersvorsorge und die Kosten für
eine repräsentative Wohnung drückten auf den Lebensstandard.
Mindestens genauso wichtig aber war die Wiederaufnahme des Berufes als Symbol
für die Wiederherstellung des Menschen vor seiner Erkrankung. Herr G.
wollte wieder der alte sein, seine Frau wollte ihn wieder so haben - und
Freunde und Bekannten warteten auch auf seine Rückwandlung.
Symptome/Situation bei der Entlassung
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Fortschritte bei der alltagspraktischen Problemlösung, der
Handlungsplanung und der zeitlichen und situativen Orientierung
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Bei den Gedächtnisleistungen wurden teilweise deutliche Verbesserungen
erzielt, aber kein System gefunden, innerhalb dessen sie verläßlich
abrufbar wären. Deshalb blieben zu große Schwankungen, um sie auch
nur rudimentär beruflich zu verwerten (monatelange Abklärung in 2
Kanzleien, davon eine vertraut aus der Zeit vor der Erkrankung).
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Herr G. lernte (aus seiner Sicht als Übergangslösung bis zur
Berufstätigkeit) sich selbst zu versorgen und im Haushalt mitzuhelfen, um
die berufstätige Ehefrau zu entlasten.
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Als eine Enkelin geboren wurde, stellten wir Training von Handlungsplanung,
Problemlösung und Feinmotorik in der Holzwerkstatt für ihn auf die
Fertigung von besonderem Spielzeug (Schaukelelefant mit Prachtsattel, Karussell
u.ä.) um. Dadurch gewann er innerhalb der Familie, aber auch im
Freundeskreis etwas von dem Nimbus des Besonderen zurück, den er vorher
hatte. Er konnte wieder überraschen.
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Vor Ort trainierten Mitarbeiter von Mutabor - in Absprache mit der
Anwaltsvereinigung - Herrn G. ein Jahr in konkreten Hausmeisteraufgaben und
fertigten mit ihm entsprechende externe Gedankenstützen und
Handlungspläne an. Herr G. konnte dadurch eine Hausmeisterei
übernehmen, was den Wechsel in eine sehr ansprechende, aber günstige
Wohnung der Anwaltsvereinigung ermöglichte. Damit entlastet er die
Familienfinanzen deutlich.
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Versuche, im Freundeskreis wieder als Laienspiel-Regisseur zu fungieren,
schlugen fehl, aber gaben den Anstoß zu einer Theateraufführung bei
Mutabor, die auch den anderen Patienten und Angehörigen sehr viel
Spaß machte. Er war der Kalif Storch, der sich mit dem Zauberwort
Mutabor
wieder in seine eigentliche Gestalt zurückverwandelte.
Herr G. in der Gruppe am 24.5.2000
Es geht mir relativ gut.
Den Hausmeisterjob hab ich noch, das mache ich auch alles, geht ziemlich
problemlos. Jetzt ist es ein bißchen blöd bei dem Wetter mit Unkraut
zupfen, schon fast urwaldmäßig, aber trotzdem ist es gut, keine
Probleme. Da gehe ich auch heute noch nach dem Plan vor, den wir da erarbeitet
haben bei Mutabor. Damit habe ich mich eigentlich jetzt recht gut eingerichtet.
Und dann bin ich in der Seidl-Villa zum Theaterspielen, also wie hier
bei Mutabor, da haben wir ja auch Theater gespielt. Da erinnern sich
vielleicht noch einige. Wir haben aufgeführt, zweimal letzte Woche, die
Kleinbürger-Hochzeit von Brecht. Und nachdem ich mir den Text so schlecht
merken kann, das kennen wir ja hier von der Aufführung, da wurde Brecht
für mich umgeschrieben. Es gibt jetzt da einen Großvater dabei und
der redet einfach Blödsinn und ich bin dieser Großvater und darf das
Textbuch vor mir liegen haben.
Und dann mache ich einmal in der Woche was mit I. (Mitpatientin) und manchmal
machen wir auch was mit den Frauen aus der Gruppe. Und im Herbst probier ich es
in der Volkshochschule mit Spanisch.
In den Urlaub fahre ich auch ganz gern mit I., geht recht gut mit uns.
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